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Nachgefragt...

Nachgefragt… Aktienfonds in der GmbH – die perfekte Lösung für eine Dividendenstrategie?

By May 22, 2024May 30th, 2024No Comments

Dividendenstrategie als Einkommensquelle

Vermögensverwaltende GmbHs dienen nicht selten dem Zweck, über regelmäßige Ausschüttungen dem Gesellschafter ein (zweites) Einkommen zu sichern. Das Vermögen wurde über Jahre angespart oder resultiert aus dem Verkauf eines Unternehmens und soll nun dem Vermögensinhaber ratierlich zur Aufbesserung seiner Altersbezüge zufließen.

Da das Vermögen nicht in einem Schwung ausbezahlt werden soll, soll der Vermögensstamm weiter investiert bleiben und möglichst niedrig besteuerte Erträge abwerfen. Diese Erträge können dann als Dividenden an den Gesellschafter der GmbH ausgeschüttet werden (sog. Dividendenstrategie).

Vorteilhafte Besteuerung von Erträgen aus Aktienfonds auf GmbH-Ebene

Eine besonders günstige Besteuerung kann erreicht werden, indem das Vermögen der GmbH in Investmentfonds – insbesondere in Aktienfonds – investiert wird.

Hält eine Kapitalgesellschaft Anteile an einem Aktienfonds, sieht das Investmentsteuergesetz nämlich vor, dass sämtliche Erträge, die der Kapitalgesellschaft aus dem Fondsanteil zufließen, zu 80% von der Körperschaftsteuer und zu 40% von der Gewerbesteuer bereit werden. Erzielt die GmbH also einen Aktienfondsertrag in Höhe von 100 EUR, fällt hierauf nur eine Ertragsteuer von ca. 12%, d.h. ca. 12 EUR an (KSt, SolZ und unterstellte 15% GewSt). Ca. 88 EUR, d.h. ca. 88% der Einkünfte können von der GmbH steuerfrei vereinnahmt werden.

Damit der Gesellschafter finanziell versorgt ist, müssen die Investmenterträge aber noch von der GmbH an den Gesellschafter ausgeschüttet werden. Auch hierauf fällt eine Steuer an, nämlich üblicherweise die Abgeltungsteuer (AbgSt) mit 25% zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag (SolZ). Trotz der sehr günstigen Besteuerung auf Ebene der GmbH verbleiben dem Gesellschafter nach Abzug aller Steuern damit nur knapp 65 EUR bzw. 65% der Investmenterträge, die er für seine privaten Zwecke nutzen kann.

Laufende Fondserträge auf privater Ebene

Anstelle einer Dividendenstrategie über eine Kapitalgesellschaft könnte sich der Vermögensinhaber aber auch dafür entscheiden, unmittelbar auf privater Ebene Anteile an einem Aktienfonds zu erwerben und die Ausschüttungen aus dem Fonds ohne Zwischenschaltung der GmbH zu vereinnahmen.

Denn auch für den Privatanleger sieht das Investmentsteuergesetz eine Teilfreistellung auf Investmenterträge aus Aktienfonds vor. Diese beträgt zwar „nur“ 30% (gegenüber der 80%igen Teilfreistellung bei Kapitalgesellschaften); allerdings kommt auf die verbleibenden 70% auch nur die AbgSt 25% zzgl. 5,5% SolZ zur Anwendung. Im Ergebnis würden die Ausschüttungen aus dem Aktienfonds in Höhe von 100 EUR auf Ebene des Investors somit insgesamt mit 18,50 EUR, d.h. mit ca. 18,5% besteuert, sodass ihm für seine privaten Zwecke noch immer ca. 81,50 EUR bzw. ca. 81,5% verblieben.

Dies scheint auf den ersten Blick deutlich günstiger als die Dividendenstrategie über die GmbH. Auf den zweiten Blick ist jedoch zu konstatieren, dass die Ausschüttungen aus einem Investmentfonds nicht konstant sind und sich daher nicht vorhersagen lässt, ob der Anleger zu viel, zu wenig oder ausreichende Erträge aus dem Fonds erwirtschaftet. Bei der GmbH-Lösung könnten die zu viel angefallenen Investmenterträge demgegenüber nach Abzug der sehr geringen Steuerbelastung (ca. 9%) thesauriert und reinvestiert werden.

Veräußerung von Aktienfonds auf privater Ebene

Noch günstiger stellt sich der Anleger aus steuerlicher Sicht, wenn er Anteile an einem thesaurierenden Aktienfonds erwirbt, der seine Erträge nicht ausschüttet, sondern die Erträge in seinem Wertzuwachs widerspiegelt.

Verkauft nun der Anleger ratierlich Fondsanteile in dem Umfang, in dem er bisher Ausschüttungen aus der GmbH oder dem Fonds eingeplant hatte, erzielt er wiederum einen Investmentertrag, der – sofern es sich um einen Aktienfonds handelt – zu 30% von der Einkommensteuer befreit ist; nur die restlichen 70% unterliegen wiederum der AbgSt. Bemessungsgrundlage für Teilfreistellung und AbgSt ist nun aber nicht der gesamte Veräußerungserlös, sondern lediglich der Veräußerungsgewinn. Dieser besteht aus der Differenz zwischen Veräußerungserlös und historischen Anschaffungskosten für den Fondsanteil.

Veräußert der Anleger also einen Fondsanteil im Wert von 100 EUR, den er z.B. zu 75 EUR erworben hatte, erzielt er einen Veräußerungsgewinn von 25 EUR, der zu 30% (7,50 EUR) steuerfrei ist und nur zu 70% (17,50 EUR) der AbgSt zzgl. SolZ unterliegt. Nach Abzug der Steuer (ca. 4,60 EUR) verbleiben ihm damit ca. 95% (95,40 EUR) für seine privaten Zwecke.

Oder andersherum ausgedrückt: wenn der Vermögensinhaber 100 EUR für private Zwecke vereinnahmen möchte, benötigt er bei der Dividendenstrategie über eine GmbH einen Investmentertrag i.H. von ca. 155 EUR, bei der Dividendenstrategie über unmittelbare laufende Investmenterträge einen Investmentertrag i.H. von ca. 123 EUR und bei der ratierlichen Veräußerung von Fondsanteilen aus seinem Privatvermögen einen Investmentertrag i.H. von ca. 109 EUR (bei einer unterstellten Wertsteigerung von 34%).

Fazit

Die äußerst günstige Besteuerung bestimmter Kapitalerträge auf Ebene einer Kapitalgesellschaft verstellt oftmals den Blick dafür, dass – je nach Zielsetzung des Anlegers – auch andere Investment- oder vielmehr Divestment-Strategien steuerliche Vorteile bieten können.

Dr. Claudia Klümpen-Neusel ist Partnerin bei gkn Gräfe Klümpen-Neusel Rechtsanwälte Steuerberater und Kooperationspartnerin von ebel&team.