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Nachgefragt...

Nachgefragt… Steuer- und Rechtsberatung, Coaching oder Mediation – Wann ist welcher Beratungsansatz sinnvoll?

Coaching oder Mediation

Auftragsklärung: Wann braucht es welche Beratungsdisziplin?

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Mediation? Wann brauche ich einen Steuer- oder Rechtsberater, wann einen Mediator und wann einen Coach? Solche und ähnliche Fragen sind mir in den letzten Wochen besonders häufig begegnet.

Zum einen, weil die zunehmende Volatilität des wirtschaftlichen Geschehens die Nachfrage nach solider, die Krisen-Resilienz von Unternehmen und Unternehmern stärkende Beratung deutlich zugenommen hat. Und zum anderen, weil wirtschaftliche- oder strukturelle Krisen schwache Geschäftsmodelle, betriebliche Ineffizienzen oder ungelöste Konflikte schonungslos zu Tage fördern. Und so erhofft man sich von externer Beratung und Begleitung schnell wirkende, passgenaue Unterstützung bei der Krisenbewältigung.

Doch die Erfahrung zeigt, dass oft unklar bleibt, in welcher Rolle bzw. mit welcher Erwartung oder welchem Auftrag ein außenstehender Dritter einbezogen wird.

Beratung kostet Geld und Zeit – und sollte allein schon deshalb passgenau beauftragt und konzipiert werden. Insofern muss am Anfang einer jeder Beratung die Frage stehen, worum es im Kern eigentlich geht; im systemischen Kontext als Auftragsklärung bezeichnet.

Rechtsberatung, Steuerberatung und betriebswirtschaftliche-Beratung: Externer-fachlicher Rat

Fachliche Ratschläge, Hinweise, Stellungnahmen, Konzepte oder Gutachten zeichnen eine oder mehrere möglichst optimale Gestaltungsempfehlungen für ein konkret formuliertes Problem:

Wie kann ich meine Gesellschaft in eine andere Rechtsform transformieren? Was kostet mich der Umzug in ein anderes Land an Steuern; wie kann ich das steueroptimal gestalten? Was ist mein Unternehmen wert? In der Regel handelt es sich um Fragen, die unterschiedlichste Rechts-, Steuer- und/oder betriebswirtschaftliche Bereiche betreffen. Insofern braucht es oft den Rat nicht nur eines Experten, sondern einer Experten-Gruppe.

Prozessberatung (Coaching): Externe Moderation

Hingegen in der Prozessberatung – in der 1:1-Begleitung oft auch als Coaching bezeichnet – „begleiten oder moderieren“ ein oder mehrere „Prozess-Moderatoren“ (auch als Sparringspartner oder Coaches bezeichnet) Individuen, Gruppen oder Organisationen bei der Entscheidungsfindung, der Entwicklung und/oder der Umsetzung von Lösungen für deren Herausforderungen.

Typische Fragestellungen sind bspw.: „Soll ich mein Unternehmen verkaufen oder die Übergabe in die nächste Generation wagen? Wie identifizieren wir geeignete Nachfolger? Wie stelle ich mich in der nächsten Lebensphase unternehmerisch auf? Wie gehe ich mit der Anfrage meiner Familie um, den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen?“ Während der Auftraggeber beim fachlichen Rat „nur“ alle relevanten Informationen und einen klaren Auftrag schuldet, ist er bei der Prozessberatung selbst tief involviert.

Mediation (Konfliktmoderation): Externe Konflikt-Moderation

Eine besondere Form der Prozessberatung ist die Moderation von Konflikten. Mediation ist dabei eine explizit strukturierte, teilweise rechtlich normierte Form der Konfliktmoderation. Gemeinsam ist allen Formen, dass vermeintlich inkompatible Ziele, Auffassungen, Vorgehensweisen etc. – oft auch in hoch emotionalen geführten Auseinandersetzungen – in eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung transformiert werden. Und: Die Beteiligten entwickeln diese Lösung weitestgehend selbstständig; anders als bei Schiedsverfahren.

Integrativer Ansatz für dynamische Beratungsprozesse

Wie skizziert, stellt eine sorgfältige Auftragsklärung die zielführende Auswahl des Beratungsansatzes sicher. Nur: Was, wenn sich während eines Beratungsprozesses herausstellt, dass mehrere Beratungsformen gebraucht werden?

Dazu ein Beispiel: Ein Unternehmer lässt sich von einem Prozessberater zur Frage nach der idealen Nachfolge-Regelung begleiten. Dabei zeigt sich, dass auch ein im Ausland lebendes Kind Anteile am Unternehmen erhalten soll. Das wiederum löst möglicherweise erhebliche Steuern aus. Um das präzise einzuschätzen zu können, braucht es fachlichen Rat (Steuern, Unternehmensbewertung). Liegen dessen Ergebnisse vor, zeigt sich möglicherweise, dass die Unternehmensliquidität durch eine solche Nachfolge-Gestaltung erheblich belastet wird. Das könnte einen Konflikt mit der wachstumsorientieren Geschäftsleitung des Unternehmens auslösen, der sinnvollerweise in einer Konfliktmoderation geklärt werden kann. Dieses sicherlich holzschnittartige Beispiel mag verdeutlichen, dass es in Beratungs- und Veränderungsprozessen sehr schnell zu veränderten und/oder neuen Beratungszielen kommen kann.

Wenn nun jedes Mal der gesamte Sacherhalt und das bisher Entwickelte einem neu hinzuzuziehenden Berater vermittelt werden muss, kostet das vermeidbare Zeit und Geld und birgt das Risiko von „Schnittstellen-Verlusten“.

Deshalb verfolgt ebel&team konsequent einen integrativen Ansatz: Von Anfang an sind in den Beratungsprojekten und vor allem in der Phase der Auftragsklärung mehrfach qualifizierte Berater und/oder mehrere, eng verzahnte Spezialisten involviert.

Fazit

Vor Beginn eines Beratungsprozesses muss mittels einer Auftragsklärung u.a. der ideale Beratungsansatz identifiziert werden. Das können die Fachberatung oder die Prozessberatung sein. In dynamischen Beratungsprozessen – wie es die Regel bei Familienunternehmen ist – können durch einen integrativen Ansatz Zeit-, Geld- und Informations-Defizite vermieden werden.

 

Benedikt Kastrup ist Partner bei HLB Stückmann und Kooperationspartner von ebel&team.

Foto von Medienstürmer.