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Nachgefragt...

Nachgefragt…Ermittlung von Fremdwährungsgewinnen: sind deutsche Banken in der Pflicht?

Worum geht es bei Fremdwährungsgewinnen?

Steuerpflichtige, die ein Fremdwährungskonto führen und ihr Guthaben für den Erwerb von Wertpapieren, Beteiligungen oder anderen Wirtschaftsgütern einsetzen, können im Rahmen des Tauschs „Fremdwährung gegen Wirtschaftsgut“ Kursgewinne erzielen, sog. Fremdwährungsgewinne. Nicht alle Fremdwährungsgewinne zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen.

Zum Hintergrund

Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer. Deutsche Finanzinstitute ermitteln die Abgeltungsteuer in Form der Kapitalertragsteuer auf die erzielten Erträge und führen diese anschließend für Rechnung des Anlegers an das Finanzamt ab. Eine Übersicht über die jährlichen Kapitaleinkünfte und die einbehaltene Kapitalertragsteuer erhält der Steuerpflichtige in Form der jährlichen Steuerbescheinigung, die ihm die inländische Bank zur Verfügung stellt.

Der Kapitalertragsteuereinbehalt umfasst jedoch nicht alle Erträge, die auf Konten deutscher Banken erzielt werden. Insbesondere die typischen Fremdwährungsgewinne (und -verluste) unterfielen nach bisher gelebter Praxis nicht der Abgeltungsteuer, sondern der progressiven Einkommensteuer mit dem persönlichen Steuersatz. Grund hierfür war, dass Fremdwährungsgewinne nicht als Einkünfte aus Kapitalvermögen, sondern als „Sonstige Einkünfte“ qualifiziert wurden. Nur für Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt aber die Abgeltungsteuer. Darüber hinaus sind Banken nur verpflichtet, Steuerbescheinigungen für Kapitalerträge, nicht aber auch für andere Einkünfte zu erstellen. „Sonstige Einkünfte“ sind somit in aller Regel nicht in den jährlichen Steuerbescheinigungen der Banken enthalten; darauf wird üblicherweise im Kleingedruckten der Steuerbescheinigung hingewiesen.

Neue Abgrenzung bei Fremdwährungsgewinnen

Das Bundesministerium der Finanzen hat nun erstmals seine Auffassung zur steuerlichen Behandlung von Fremdwährungsgewinnen veröffentlicht, die eine 180-Grad-Drehung zum bisherigen Verständnis nahezu sämtlicher Rechtsanwender außerhalb der Finanzverwaltung (Banken, Steuerberater, Steuerpflichtige) darstellt. Nach Ansicht der Finanzverwaltung soll bei der steuerlichen Behandlung von Fremdwährungsgewinnen danach zu unterscheiden sein, ob das Fremdwährungsguthaben verzinslich oder unverzinslich angelegt ist:

Währungsgewinne auf unverzinslichen Fremdwährungskonten gehören nach wie vor zu den Sonstigen Einkünften; Währungsgewinne auf verzinslichen Fremdwährungskonten sollen hingegen grds. zu Einkünften aus Kapitalvermögen führen.

Die Intention der Finanzverwaltung ist nachvollziehbar: ob und in welcher Höhe Fremdwährungsgewinne vom jeweiligen Steuerpflichtigen erzielt werden, lässt sich ohne Mithilfe des Steuerpflichtigen für das Finanzamt kaum nachvollziehen. Es droht ein Vollzugsdefizit. Dieses Vollzugsdefizit wird vermieden, wenn Fremdwährungsgewinne den Einkünften aus Kapitalvermögen zugewiesen und künftig Banken verpflichtet werden, die Kapitalertragsteuer direkt an der Quelle einzubehalten und an den Fiskus abzuführen.

Die deutschen Banken waren auf diesen Paukenschlag nicht vorbereitet. Sie müssen nun Fremdwährungsgewinne auf verzinslichen Konten – dabei dürfte es sich um die weitaus überwiegende Mehrzahl der Fremdwährungskonten handeln – ermitteln, Kapitalertragsteuer darauf berechnen, einbehalten, an das Finanzamt abführen und diese Gewinne in den Steuerbescheinigungen ausweisen.

Fazit

Mit dem Ausweis derartiger Fremdwährungsgewinnen in den Steuerbescheinigungen inländischer Banken werden die Daten offen an die Finanzverwaltung kommuniziert. Das könnte – je nach dem Inhalt früherer Steuererklärungen des Anlegers – Rückfragen des Finanzamtes auslösen, in welcher Höhe bisher Fremdwährungsgewinne erzielt wurden.

Tauchen solche beim Anleger in früheren Steuererklärungen nicht auf, sollte dies entweder begründet werden können (wenn es tatsächlich keine gab) oder die vergessenen Gewinne sollten alsbald nacherklärt werden.

Dr. Claudia Klümpen-Neusel ist Partnerin bei gkn Gräfe Klümpen-Neusel Rechtsanwälte Steuerberater und Kooperationspartnerin von ebel&team.