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Nachgefragt...

Nachgefragt … Wie führe ich die nächste Generation an das Familienvermögen heran?

Viele Unternehmer und Vermögensinhaber wünschen sich einen Vermögenserhalt über einen langen Zeitraum. Zumindest ist ein Vermögensübergang auf die nächste Generation geplant, verbunden mit dem Wunsch der Weiterentwicklung des Unternehmens bzw. des Familienvermögens. Deshalb ist die Nachfolge ein wesentlicher Baustein in dieser Überlegung und beginnt mit der Überlegung, wie und wann führe ich meine Kinder an das Familienvermögen heran.

Zeitfenster für den Einstieg

Es ist wichtig, dass Kinder frühzeitig und systematisch den Umgang mit Vermögen kennenlernen. In der Praxis gibt es viele Fälle, in denen Kinder zu spät an das Familienvermögen herangeführt werden und das Zeitfenster für ein Interesse hieran mittlerweile geschlossen ist. Wer nicht in jungen Jahren an Vermögen und gegebenenfalls hohe Werte behutsam herangeführt wird, wird als junger Erwachsener kein oder wenig Interesse für das eigene Familienunternehmen und Familienvermögen mehr entwickeln. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt?

Ein systematisches Heranführen kann bereits in jungen Jahren beginnen, wenn eine entsprechende persönliche Reife vorliegt. Auf jeden Fall ist sicherzustellen, dass die Verschwiegenheit gewahrt bleibt und Kinder sich hieran halten. So kann in einem ersten Schritt bereits mit 15 oder 16-Jährigen eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben werden als symbolischer Akt für den Beginn eines systematischen Umgangs mit dem Familienvermögen.

Fachliche Qualifikation und persönlich Reife

Für das Heranführen der nächsten Generation sind zwei Bereiche zu beachten. Zum einen ist die fachliche Qualifikation hinsichtlich des Familienvermögens zu fördern. Zum anderen ist die persönliche Reife in diesem Bereich zu stärken.

Für die fachliche Qualifikation können entsprechende Schulungen – gerne auch zusammen mit anderen Mitgliedern der nächsten Generation – besucht werden. Ggf. wird ein längerfristiges individuelles Schulungsprogramm erstellt. Hierzu gehört z.B. ein erster Einstieg oder Überblick im Bereich von Recht, Steuern und Finanzen, um eine fachliche Grundlage zu schaffen. Auch sind Ferienjobs und Praktika ein sehr wirksamer Baustein, um das eigene Unternehmen oder das Familienvermögen besser kennen zu lernen. Dabei ist es nicht erforderlich, sofort das gesamte Familienvermögen offenzulegen. Es ist ausreichend, zunächst einen Teil (zum Beispiel den Firmensitz oder einen Teil des Portfolios) darzustellen und kennenzulernen. Dies schützt vor einer Überforderung des Kindes.

Ein erster Einstieg kann eine umfassende Firmenbesichtigung sein. Aber auch ein Messebesuch gibt einen guten Eindruck über die Produkte des eigenen Unternehmens und ihrer Bedeutung im Markt. Außerdem kann die nächste Generation als Gast in der Gesellschafterversammlung oder bei einem Gesellschaftertreffen hineinschnuppern und im Anschluss regelmäßig teilnehmen. Hinsichtlich des Familienvermögens ist die Teilnahme an Besprechungen mit Vermögensverwaltern oder die Erläuterung eines Quartalsberichts ein probater Einstieg.

Sobald die ersten Schritte gesetzt sind, kann bereits Verantwortung übernommen werden. So kann bei einem familieneigenen Immobilienportfolio z.B. die Verantwortung – nicht das Eigentum – für eine vermietete Wohnung auf die nächste Generation übertragen werden. Mit Rücksprache der Eltern sind die regelmäßigen Mieteingänge zu prüfen, die Nebenkostenabrechnung zu erstellen und ggf. ein Mieterwechsel zu begleiten.

In diesem Schritt wird vermittelt, wie wichtig es ist, zeitnah einen neuen Mieter zu suchen und gegebenenfalls vorher eine Renovierung durchzuführen, damit möglichst ohne Unterbrechung die Mietzahlungen fortgesetzt werden. Die Erfahrung, dass die Kosten einer Immobilie auch dann weiterlaufen, wenn keine Mieteinkünfte generiert werden, ist nachhaltig und sollte bei einer kleinen Einheit gemacht werden. In anderen Fällen kann die Verwaltung eines bestimmten Depots auf die nächste Generation übertragen werden. Vorab sind jedoch bestimmte Leitlinien gemeinsam zu verabschieden, z.B. Anlagehorizont, Risikoklasse.

Einbindung eines Mentors oder Vermögens-Paten

Das Heranführen an das Familienvermögen ist zum großen Teil Aufgabe der Eltern. Es hat sich jedoch bewährt, einen Mentor für die nächste Generation einzubeziehen. Dies kann ein Mitglied des Beirats oder Anlagenausschusses sein oder ein langjähriger Familienvertrauter, der die Familie und deren Vermögen kennt.

Übertragung des Vermögens zum Schluss

Sobald erkennbar ist, dass die nächste Generation mit dem Familienvermögen und der damit verbundenen Verantwortung umgehen kann, kann eine erste Vermögensübertragung angedacht werden. In der Praxis wird jedoch aus steuerlichen Gründen häufig der umgekehrte Weg eingeschlagen. So wird zuerst Vermögen übertragen, ohne dass die nächste Generation hiermit vertraut ist oder sich selbst darum kümmern muss.

Für den dauerhaften Erhalt des Familienvermögens ist es jedoch sinnvoller, die Kinder zuerst an die Verantwortung heranzuführen und ihnen erste Aufgaben zu übertragen, bevor sie die volle Verantwortung als Eigentümer bekommen. Damit wird verhindert, dass Kinder zu früh Vermögen erhalten und damit nicht zurechtkommen.