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Nachgefragt...

Nachgefragt… Wie können wir Streit über das Familienvermögen vermeiden?

Dr. Karin Ebel

Warum streiten wir uns?

Mit einem wachsenden Gesellschafterkreis vergrößert sich die Meinungsvielfalt. Das ist nicht nur eine Bereicherung, sondern in vielen Fällen auch eine Herausforderung. Fehlt es an einer gemeinsamen Vision bzw. Ausrichtung des Familienvermögens, steigt das Konfliktpotenzial. Insbesondere werden Aspekte wie Nachhaltigkeit, Standortfragen oder einzelne Produkte und Geschäftsmodelle derzeit in vielen Inhaberfamilien intensiv und kontrovers diskutiert.

Passen darüber hinaus die Entscheidungsstrukturen nicht mehr, z.B. weil der Gesellschafterkreis zu groß geworden ist für zeitnahe Entscheidungen, wird das Konfliktpotenzial noch verstärkt. Und zwar schon aus dem System heraus und nicht aufgrund persönlicher Konflikte. In dieser Situation gilt es unnötigen Streit zu vermeiden, in dem wesentliche Bereiche geklärt werden – bevor es zum Streit über das Familienvermögen kommt!

Wie kann eine Familienverfassung helfen?

Im Rahmen einer Familienverfassung erarbeiten wir die Basis, Struktur und Regelungen für das Familienvermögen, damit auch in Zukunft die Aufgaben als Gesellschafter, Beirat und/oder Geschäftsführer bestmöglich zum Nutzen des Familienvermögens ausgefüllt werden können. Im Einzelnen werden folgende Kernbereiche angesprochen und geklärt:

  • Was ist unser gemeinsames Bild für die Zukunft unseres Familienvermögens?

Am Anfang steht die Frage „Warum machen wir das zusammen?“. Die Diskussion dieser Frage gibt der Familie Gelegenheit, die positiven Aspekte eines gemeinsamen Projekts herauszustellen, damit die Einschränkungen und Pflichten aus diesem Verbund (z.B. gemeinsame Entscheidungen und ggf. Kompromisse bei wesentlichen Fragen, Abschluss eines Ehevertrages, längerfristige Bindung) nicht überhandnehmen und zu einer Missstimmung führen. Außerdem sollte die Erwartung der Familienmitglieder besprochen werden: Was erwarte ich vom Familienvermögen und den einzelnen Gremien? Und was bin ich bereit dafür zu tun?

  • Wie treffen wir Entscheidungen und setzen diese um?

Im nächsten Schritt wird individuell geregelt, welche Gremien es (in Zukunft) gibt, z.B. Geschäftsführung, Beirat/Anlagenausschuss und Gesellschafterversammlung, sowie welche Rechte und Pflichten die Gremien und deren Mitglieder haben. Dann klären wir die Besetzung (z.B. Größe, Anforderungsprofil, Auswahlprozess) und das Zusammenspiel untereinander (z.B. wechselseitige Informationen und Einbindung).

  • Wie gehen wir miteinander um?

Im letzten Teil wird der Rahmen für das Zusammenspiel und die Zusammenarbeit untereinander festgelegt. Wie kommunizieren wir miteinander? Wie verhalten wir uns untereinander? Wie viel Nähe und Distanz möchten wir zueinander? Außerdem wird geklärt, welches Mindestwissen jedes Familienmitglied hinsichtlich des Familienvermögens haben sollte und wie die junge Generation herangeführt werden soll.

Familien profitieren sehr stark von den gemeinsamen Gesprächen zu den vorgenannten Themen und lernen sich als „Familieninvestor“ neu und besser kennen. Auch gibt der gemeinsam vereinbarte Rahmen einen guten Halt für schwierige wirtschaftliche und persönliche Situationen. Schließlich vermeidet eine Familienverfassung Streit, der aus unterschiedlichen Erwartungen aneinander oder aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung des Familienvermögens entstehen könnte.

Wie erarbeiten wir eine Familienverfassung?

Im ersten Schritt werden vertrauliche Einzelgespräche mit allen Beteiligten geführt. Auf dieser Basis erstellen wir eine Themenlandkarte mit allen Fragen, die geklärt werden sollten. Die Themenlandkarte verbunden mit Lösungsvorschlägen von unserer Seite (z.B. Rechtsform, Einführung eines Beirats, Anforderungsprofil und Auswahlprozess für Nachfolger) werden in gemeinsamen Gesprächen, die von uns moderiert werden, diskutiert und geklärt.

Die Ergebnisse werden in einer Familienverfassung, die von allen Beteiligten unterschrieben wird, zusammengefasst. Parallel dazu erfolgt eine Aktualisierung der entsprechenden Verträge (z.B. Gesellschaftsvertrag, Testamente) und eine steuerliche Überprüfung bzw. Optimierung des Familienvermögens.

Investieren Sie Ihre Zeit in eine Familienverfassung – es lohnt sich!

 

RA/StB Dr. Karin Ebel ist Gründungspartnerin von ebel&team.