Skip to main content
Nachgefragt...

Nachgefragt…Was genau ist eine Familienstiftung?

By September 20, 2023October 11th, 2023No Comments

Familienstiftung in der steuerlichen und strategischen Nachfolgeplanung

Familienstiftungen sind schon lange ein Bestandteil der Nachfolgeplanung. In den letzten Jahren hat diese Rechtsform auch aus steuerlichen Motiven aber eine wahre Renaissance erlebt.

Was genau ist eine Familienstiftung?

Eine Familienstiftung ist ein eigenständiger Rechtsträger, der vom Stifter errichtet, mit einem bestimmten Zweck versehen (z.B. Förderung der Familie) und mit einem gewissen Vermögen ausgestattet wird.

Die Stiftung hat im Gegensatz zu Gesellschaften keine Anteilseigner, sie gehört vielmehr sich selbst. Die Stiftung wird nach außen vom Vorstand vertreten, der in aller Regel in Familienhand ist.

Auszahlungen aus der Stiftung erfolgen an sog. Begünstigte (z.B. Kinder, Enkelkinder, Geschwister und deren Abkömmlinge etc.). Ob, wann, an wen und in welcher Höhe eine Auszahlung aus der Stiftung vorgenommen wird, entscheiden die Stiftungsorgane im freien Ermessen, sofern keine konkrete Regelung besteht. Im Ergebnis kann die Familienstiftung auch als bessere Holding angesehen werden.

Was können Beweggründe für eine Familienstiftung sein und wann ist sie hilfreich?

Klassischerweise rückt sie in den Vordergrund, wenn es keinen geeigneten Nachfolger für das Familienunternehmen gibt oder die Zersplitterung des Gesellschafterkreises vermieden werden soll. Bei dem ersten Punkt gilt es aber zu beachten, dass eine Stiftung zwar keine Eigentümer „braucht“ aber eine Führung. Deswegen kann die Stiftung hier nicht allein heilende Wirkung haben.

So kann es z.B. vorkommen, dass bei mehreren Kindern nur ein Kind in die unternehmerischen Fußstapfen treten möchte und deshalb einen wesentlichen Anteil – am liebsten alle Anteile – am Unternehmen erhalten soll.  Dies kann zur wirtschaftlichen Ungleichbehandlung der Kinder, zu Pflichtteilsansprüchen und mithin zu Streit führen.

Eine Familienstiftung kann das gesamte Vermögen vereinen, alle Familienmitglieder versorgen und gleichzeitig die Führungsrolle einem Kind geben. Hinzuweisen ist aber darauf, dass in einem geordneten Inhaberstrategieprozess das Zusammenspiel von Stiftung(svorstand) und Unternehmen – somit die Fragen von Führung und Kontrolle – geklärt werden sollten. Denn die Familienstiftung wird Gesellschafter und damit Inhaber des Familienvermögens.

Gegenwärtig ist ein wesentlicher Motor für den Einsatz der Stiftung die Erbschaftsteuer.  Etwas vereinfacht gesagt, führt eine Schenkung von Unternehmensanteilen mit einem Wert von mehr als 26 Mio. EUR auf eine natürliche Person zu einer Steuerbelastung, wenn diese finanziell in der Lage ist, die Steuer aus eigenem Vermögen oder aus dem damit übertragenen (Privat-)Vermögen zu zahlen.

Ab einem Wert von 90 Mio. EUR entsteht – je nach Leistungsfähigkeit des Erwerbers – eine volle erbschaftsteuerliche Belastung. Das Geld hierfür wird dann häufig aus dem Unternehmen genommen. Eine Alternative ist die meist inhaberstrategisch nicht sinnvolle Übertragung ein kleine Kinder, die noch kein Vermögen besitzen. Die Stiftung kann (ebenfalls mangels Vermögen außerhalb des Grundstocks) hier eine sinnvolle Lösung sein und die Erbschaftsteuerlast signifikant senken.

Außerdem kann die Familienstiftung für internationale Familien Schutz bieten. Die in diesen Fällen greifende Wegzugsbesteuerung – auch bei einem Wegzug innerhalb der EG – führt zu einer fiktiven Veräußerung des Unternehmens und existenzbedrohenden Besteuerung aller stillen Reserven. Sind die Anteile in einer Familienstiftung, sind die Begünstigten in Ihrer Mobilität frei.

Welche Bedenken kann man haben? 

Eine Familienstiftung begegnet häufig Unbehagen, gerade bei Unternehmern: Das Unternehmen aber auch sonstiges Vermögen ist doch dann für immer „weg“ und in der Stiftung eingeschlossen? Und die Satzung kann nie wieder angepasst und an aktuelle Herausforderungen der Zeit angepasst werden?

Ja, die Stiftung ist im Grundsatz auf Ewigkeit angelegt und der Stifterwille soll auch in Zukunft bindend sein und das muss man wollen. Aber: Familienstiftungen können auch als sog. Hybridstiftung errichtet werden. Hier dürfen nicht nur die Erträge, sondern auch die Substanz selbst (z.B. der Erlös aus einem Verkauf des Unternehmens) teilweise oder sogar vollumfänglich ausgekehrt werden. Auch ist häufig unbekannt, dass der Stifter die Möglichkeit einer Satzungsänderung direkt bei Errichtung vorsehen und damit den Weg für künftige Anpassungen und einem Reagieren auf disruptive Wirkungen, wie wir sie gerade aktuell erleben, eröffnen kann.

Die Familienstiftung steht auch – entgegen der Vorstellung, die man in der Praxis häufig antrifft – in den meisten Bundesländern nicht unter einer laufenden Aufsicht. Aus diesem Grunde ist auch eine freie Vermögensanlage grundsätzlich möglich.

Die Stiftung kann helfen, aber sie muss im strategischen Prozess erörtert werden!

Eine gelungene Familienstiftung kann steuerliche Zwänge mit inhaberstrategischen Gesichtspunkten verbinden. Wesentlich und zentral ist aber die Arbeit mit der Familie an dem „warum“ und den Zielen und der handgestrickten Satzungsarbeit.

Noch gibt es keine KI-basierten Standardsatzungen, sondern nur Einzelwerke die auf den individuellen Fall zugeschnitten werden müssen.

Eine Familienstiftung ist nicht in jedem Fall die richtige Struktur für jede Familie, aber es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen.

Es ist Zeit, das Thema Nachfolge anzugehen

Abschließend der Hinweis, dass angesichts der wieder aufkeimenden Kritik aus bestimmten politischen Lagern – gerade an der Verschonung von Unternehmensvermögen – sowie der Tatsache, dass sich das Bundesverfassungsgericht gerade wieder erneut mit der Erbschaftsteuer befasst, das Thema Nachfolge auf die Prioritätenliste von Unternehmerfamilien weit oben stehen sollte.

Zu allem Überfluss gibt es politische Rufe nach einer Abschaffung der steuerfreien Übertragung von Betriebsvermögen auf Familienstiftungen. Das lässt nichts Gutes ahnen!

Geschrieben von Dr. Maren Gräfe LL.M. Dr. Gräfe ist Steuerberaterin, Rechtsanwältin und Partnerin bei gkn gräfe klümpen-neusel und Netzwerkpartnerin von ebel&team.